Rezension: Touchdown – Sein Ziel ist der Sieg (Rudy)

Es gibt Filme, da weiß man selbst nicht so recht, warum sie einen immer wieder packen. Eine recycelte Story, theatralisch inszeniert, klischeehafte Dialoge und ebensolche Charaktere lassen nicht vermuten, dass man es mit einem unterhaltsamen und rührenden Film zu tun haben könnte. Doch genau das ist bei „Rudy“ der Fall.

Dieser Weg wird kein leichter sein. Rudy holt sich nicht nur beim Training ein paar blaue Flecken. | Quelle: Rudy DVD

Dieser Weg wird kein leichter sein. Rudy holt sich nicht nur beim Training ein paar blaue Flecken. | Quelle: Rudy DVD


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Rezension: 42

Biografische Filme haben immer mit dem Manko zu kämpfen, dass ihre Geschichte im Großen und Ganzen schon längst bekannt ist. Dabei macht „42“ auch keine Ausnahme, denn dass der Protagonist Jackie Robinson der erste Afroamerikaner in der MLB war, weiß das sich für Baseball interessierende Publikum sicherlich. Dennoch kann man sich den Film auch als Nichtsportinteressierter ruhig einmal anschauen.

Auf in den Kampf. Jackie Robinson auf dem Weg ins Stadion. | Quelle: "42" Trailer

Auf in den Kampf. Jackie Robinson auf dem Weg ins Stadion. | Quelle: „42“ Trailer

Denn auch wenn der Verlauf von Robinsons Untervertragnahme durch die Brooklyn Dodgers und seine Erfahrungen mit Mit- und Gegenspielern den entscheidenden Teil der Handlung einnehmen, so ist der Film doch weniger eine Biografie einer einzelnen Person. Vielmehr macht man Bekanntschaft mit dem Umgang der weißen Bevölkerung mit Afroamerikanern kurz nach dem zweiten Weltkrieg in den USA, halt vornehmlich am Beispiel der MLB. Insoweit stellt der Film durchaus eine Art „12 Years a Slave“ light dar, denn die Ressentiments der weißen Spieler, sowohl bei den Gegnerteams als auch bei den Dodgers selbst, werden recht ausführlich und teils deutlich veranschaulicht. Das beschränkt sich nicht allein auf die Spieler, auch (und vor allem) Coaches und Teameigner haben ihr Problem damit, auf einmal ihre heile, weiße Welt mit einem Afroamerikaner teilen zu müssen.

Den Gegenpol dazu stellt Dodgers-Eigentümer Branch Rickey dar, der Robinson vordergründig deswegen ins Team holt, weil er schon früh die steigende Kaufkraft der schwarzen Bevölkerung erkannt hat und diese nun für sein Team nutzen will. Ein auf ziemlich alt geschminkter Harrison Ford (oder sieht der wirklich schon so aus?!) verkörpert den knurrigen, aber letztlich offenherzigen Rickey ganz wunderbar.

Neben dem Fokus auf Robinsons Karriereabschnitt innerhalb der Stadien sieht man auch vereinzelt den strukturellen Alltagsrassismus, dem Nichtweiße ausgesetzt waren. Angefangen von Todesdrohungen an Robinson bis hin zu „nur für Weiße“-Schildern an Toiletten reicht da die Palette. Solch eine Toiletten-Situation nutzt das recht konventionell geschriebene Drehbuch gleich am Anfang auch aus, um Robinsons Charakter aufzuzeigen. So ist sichergestellt, dass die Geschichte einigermaßen Spannung hält. Viele Szenen und „Wendungen“ hat man so oder ähnlich nämlich bei anderen Filmen mit derselben Thematik schon öfters gesehen und sie kommen in den realen Vorlagen merkwürdigerweise auch meistens vor. Mir hat die Zusammenstellung der einzelnen Elemente jedoch bei „42“ recht gut gefallen und insbesondere die Person von Branch Rickey hilft dabei, Abwechslung reinzubringen.
Hoch anzurechnen ist dem Film, dass er sich nicht der Gefahr aussetzt, in Richtung pathetische „Sport kann alle Gräben überbrücken“-Message abzudriften, denn das wäre bei einer Biografie dann doch ziemlich fehlplatziert.

Fazit

Ich kenne die Geschichte Robinsons bisher allein aus dem Wikipedia-Artikel, weshalb ich nicht sagen kann, ob insbesondere die Nebencharaktere geschichtstreu widergegeben wurden. Der Film hat mich aber trotz seiner konventionellen Elementen und der bekannten Geschichte unterhalten, weil er solide inszeniert wurde, vor allem Harrison Ford eine überzeugende Darstellung abliefert und die Geschichte Robinsons halt doch wegweisend ist.
Von mir gibt es 7/10 Punkte.

der BiFF*

Die Spielszenen nehmen im Film schon ein paar Minuten ein, dienen allerdings in erster Linie der Rassismusthematik, indem dort viel rumgestanden und gesprochen wird. Spannungsgeladene Spielverläufe darf man deshalb nicht erwarten, zumal man zeitlich gleich durch eine ganze Saison flitzt und so die einzelnen Spiele nur kurz angeschnitten werden.
Die gezeigten Spielszenen sind dafür sehr solide inszeniert, neben diversen Schlag- und Fangsituationen gibt es auch die ein oder andere ordentlich choreografierte Kollision zu erleben.
Die Kamera wechselt dabei ständig zwischen Übersicht- und Nahaufnahme und ist tweilweise sogar recht innovativ, etwa dann, wenn sie Robinson bei einem Lauf an den Fersen hängt.
8/10 Punkte.

Gesehen: BD / englisch
Genre: Sport / Biografie
Eckdaten: 2013 / 128 Min / FSK 0
Regie: Brian Helgeland

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[Hinweis: Dieser Beitrag ist wortgleich auch auf 24yardspersecond.de erschienen.]

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"The 5th Quarter" Beitragsbild

Jon (Ryan Merriman) im Wake Forest – Jersey mit der Nummer seines toten Bruders | Quelle: The 5th Quarter DVD / 20th Century Fox

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"The Express" Beitragsbild

Nicht immer einer Meinung: Coach Schwartzwalder (Dennis Quaid) und Ernie Davis (Rob Brown) |(c) Universal Pictures

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