Meine Bildbearbeitungsschritte

Ich bin ein Zwitter-Tier. Nicht nur stecken in mir Gene eines Faultiers, auch stamme ich offensichtlich vom Gewohnheitstier ab. Vor allem bei der Nachbearbeitung meiner Bilder kommen diese Eigenschaften voll zum Tragen. Bei den einzelnen Nachbearbeitungsschritten mache ich zumeist nur das Nötigste, da aufwendige Nachbearbeitung zum einen Zeit kostet, bei den vielen Sportbildern irgendwann monoton wird und zudem bei den wenigsten Fotos lohnenswert erscheint. Schließlich sollen diese ja auch „realistisch“ sein und weniger ein Kunstwerk. Zudem kommen auf meinem Rechner nur Programme zum Einsatz, mit denen ich schon teilweise seit mehr als einem Jahrzent arbeite und deshalb damit so vertraut bin, dass mich der Wechsel auf modernere (und mitunter teure) Alternativen abschreckt.

Mein Arbeitsbereich, inkl. Kamera, stationärem Rechner und im Vordergrund einem optisch angemessenen Teebecher (Danke an die liebe Schenkerin)

Mein Arbeitsbereich, inklusive Kamera, stationärem Rechner und im Vordergrund einem optisch angemessenen Teebecher (Danke an die liebe Schenkerin) (Klicken für größere Ansicht)

Ich will einen kurzen Überblick geben, was ich mit welchem Programm so anstelle, damit das Bild von der Speicherkarte schließlich auf dem Webspace landet. Im Wesentlichen besteht der Arbeitsablauf aus vier groben Schritten:

01. Überspielen

Es gibt diverse Programme und Helferlein, bei denen man die Kamera nur per USB an den Rechner anschließen muss und das Programm dann vollautomatisch die Bilder auf die Festplatte transportiert. Ich bin da Purist und will selbst entscheiden und damit wissen, wohin welche Daten auf meine Platte geschaufelt werden. Deshalb wird die Speicherkarte in einen Kartenleser gesteckt und erstmal alle Bilder im JPG-Format ohne Veränderung in ein bestimmtes Verzeichnis geschoben. Die Bilder auf der Speicherkarte bleiben bis zum nächsten Spiel als Lebensversicherung erhalten.

02. Auswählen und Löschen

In diesem Verzeichnis schaue ich alle Bilder durch, lösche offensichtlich unbrauchbare (Zahlen dazu gibt es hier) und kopiere diejenigen, die ich noch nachbearbeiten werde, in ein weiteres Verzeichnis. Dafür nutze ich den kostenlosen Faststone Image Viewer, der nicht nur so gut wie alle Bilddateiformate darstellen kann, sondern dies auch bei großen Dateien ziemlich fix im Vollbildmodus macht. Aus dem Programm heraus kann ich die Bilder mit einem Tastendruck in andere Verzeichnisse kopieren oder verschieben.
Dieses von den unbrauchbaren Bildern bereinigte Verzeichnis wird dann per Synkron auf eine externe Festplatte gespiegelt, falls der interne Speicher mal aus irgendwelchen Gründen kaputt geht.

Nach dem Wechsel in das Bearbeitungsverzeichnis werden dort die Bilder aus dem Image Viewer heraus (wiederum nur einmal per Tastendruck) in das Bearbeitungsprogramm importiert.

03. Bearbeiten

Während der Faststone Photo Resizer im Hintergrund werkelt und alle Bilder automatisch lediglich verkleinert und mit Wasserzeichen versieht (diese Alben sind im Moment noch nicht auf dieser Seite zu finden), beginnt mit Paint Shop Pro X die eigentliche Nachbearbeitung.

Ich beschäftige mich seit 1999 mit Paint Shop Pro und kenne das Programm inzwischen auswendig, weshalb ich auch nach wie vor damit arbeite. Die Version X (10) ist zwar inzwischen in die Jahre gekommen, für die grundlegende Nachbearbeitung aber nach wie vor mehr als ausreichend. Meiner Meinung nach ist im Amateurbereich Paint Shop Pro zudem dem viel teureren Photoshop ebenbürtig. Mit den neueren Versionen von PSP bekommt man All-in-One-Lösungen, mit denen man alle hier aufgeführten Arbeitsschritte ausführen kann. Der Nachteil ist die Aufgeblähtheit, die solche Lösungen mit sich bringen. Mit der arbeitsteiligen Lösung komme ich am schnellsten zum Ergebnis, ohne meinen ebenfalls in die Jahre gekommenen Rechner zu überlasten.

Das Originalbild auf 900x600px verkleinert. Nicht so schlecht, aber etwas schief, zu grün und viel zu klein, um genaueres zu erkennen.

Das Originalbild auf 900x600px verkleinert. Nicht so schlecht, aber etwas schief, zu grün und viel zu klein, um genaueres zu erkennen. (Klicken für größere Ansicht)

Bei meinen Sportbildern stehen jedenfalls ab hier grundsätzlich fünf kleine Bearbeitungsschritte an, die immer in der folgenden Reihenfolge ablaufen.
Zunächst gilt es, das Bild zu begradigen. Nicht immer kann man bei den hektischen Bewegungen während des Fotografierens die Kamera absolut horizontal halten. Leichtes Kippen kann man aber mit dem Begradigungswerkzeug schnell korrigieren. Dabei werden mehr oder weniger große Teile am Rand des Bildes abgeschnitten, je nachdem, wie stark man das Bild zurückkippen muss. Doof, wenn das Hauptmotiv eh schon formatfüllend abgebildet ist. Völlig egal, wenn es dadurch nicht beschnitten wird.

Das begradigte Bild vor dem Zuschnitt. So bleiben von eigentlich 10 Megapixeln noch rund 1,2 übrig.

Das begradigte Bild vor dem Zuschnitt. So bleiben von eigentlich 10 Megapixeln noch rund 1,2 übrig. (Klicken für größere Ansicht)

Denn das passiert jetzt als wichtigster Schritt sowieso. Egal ob traurig-leere Tribünen oder grünes Grünzeug im Hintergrund zu sehen ist, das muss alles weg. Ein Sportbild sollte meiner Meinung nach genau die Informationen enthalten, die notwendig sind. Das ist im Regelfall ein oder mehrere Personen, sonst nichts. In manchen Fällen dient es der Bildaussage, wenn der Hintergrund mit abgebildet wird, etwa bei vollen Tribünen oder jubelnden Mitspielern. Die Realität sieht aber wie gesagt zumeist traurig-leer und grün aus. Das hilft der Bildaussage nicht.
Auch ist es so, dass man beim Feldsport schnell weit weg vom Geschehen ist. Dann steht man hinter der Endzone, während der Runningback irgendwo bei der Mittellinie rumtobt. Deshalb muss man bei diesen Bildern mitunter 70 und mehr Prozent wegschneiden, damit erkennbar ist, was man überhaupt abbilden möchte.
Im Normalfall behalte ich beim Beschnitt das 3:2-Seitenverhältnis des Originalbildes bei, nur in Ausnahmefällen wird davon abgewichen. Auch bei Ausschnitten, etwa nur ein einzelner, aufrechter Spieler in der Mitte eines normalen Bildes, wird dann im 2:3-Hochkantformat ausgeschnitten.
Das Beschneiden lohnt auch bei Bildern, bei denen kaum etwas weggeschnitten wird. Da bewirkt das Wegschneiden eines halben Gegenspielers oder das Entfernen von etwas Rasen schon eine ganz andere Bildwirkung.

(In seltenen Fällen erfolgen hier dann weitere Anpassungen am Bild, etwa bei der Helligkeit oder wenn das Bild zu sehr rauscht. Im Normalfall und bei der Anzeigegröße im Web ist das nicht nötig.)

Danach steht Verkleinern und Nachschärfen an. Und zwar in dieser Reihenfolge, denn man sollte beachten, dass der Grad des Nachschärfens davon abhängt, wie viele Pixel das Bild letztendlich in der Größe hat, in der man es betrachtet. Wird zu einem bestimmten Grad nachgeschärft, kommt das einem Bild mit einer bestimmten Größe zugute, während mit denselben Einstellungen ein kleineres Bild schon überschärft wirken kann.
Mein Sportobjektiv leistet schärfemäßig schon einiges, weshalb das Nachschärfen nur in einer geringen Dosis erfolgt. Zumeist nutze ich dafür auch immer dieselben Einstellungen, die für mich das Bild am Stimmigsten erscheinen lassen. Ein Eingreifen und Abändern der Einstllungen ist nur sehr selten notwendig. Man kann durch das Nachschärfen auch nur sehr begrenzt fehlfokussierte Bilder retten.
Die Standardgröße der Bilder auf meiner Seite beträgt 900 Pixel auf der längsten Seite.

Als letztes wird noch das Logo unten rechts ins Bild geklatscht und schließlich alles abgespeichert.

Das fertige Bild, verkleinert, nachgeschärft und mit Logo versehen.

Das fertige Bild auf 900x600px verkleinert, nachgeschärft und mit Logo versehen. (Klicken für größere Ansicht)

04. Hochladen

Nachdem die Dateien jetzt noch mit PSP im Stapelverfahren umbeannt wurden, erfolgt schließlich das Hochladen. Früher habe ich noch die einzelnen Ordner per FTP-Programm auf den Webspace geschoben, inzwischen wird das von WordPress erledigt, welches meiner Seite zugrunde liegt. Währenddessen wird dann schonmal der kurze Artikel zum entsprechenden Spiel geschrieben.

Fazit

Das war es auch schon. Jedenfalls bei meinen Bearbeitungsschritten ist absolut keine Zauberei vonnöten, um etwas mehr aus den Standardbildern herauszuholen. Am wichtigsten sind Zuschnitt und moderates Nachschärfen. Auf Wunsch oder für andere Anwendungszwecke als dem Zeigen im Internet, beispielsweise wenn das Bild als Postervorlage verwendet werden soll, bearbeite ich einzelne Bilder auch deutlich aufwendiger und gründlicher nach. Das ist aber wie gesagt bei einer „Sportbild-Massenproduktion“ weder zeitlich machbar noch lohnt der Aufwand aus meiner Sicht kaum.

Deshalb hoffe ich, dass mein Faultier auch zukünftig genug Futter bei der Bildnachbearbeitung bekommen kann.