Big Data zum 150.

Seit Juni 2007 bin ich nun mit der Kamera an den Footballfeldern dieser Republik unterwegs. Anfangs noch mit einer Canon EOS 350D, seit 2008 mit einer 40D, die mir ca. zwei Jahre später kaputtging. Fotografiert habe ich anfangs noch im RAW-Format, das aber aufgrund der zeitintensiven Nachbearbeitung aufgegeben und fortan nur noch JPEGs produziert. 7 Jahre und 150 Spiele später kann man sich dank einer Excel-Tabelle, die ich geführt habe, diese Zeit wie einen Film anschauen.
Grund genug, einmal zu schauen, was man für so einen Footballfotofilm alles braucht.

DIE RAHMENHANDLUNG
Kein Film ohne Inhalt. Eine ordentliche Handlung ist dafür wichtig. Sie setzt mit ihren Eckdaten den Rahmen um alles andere.

Zeitraum, Spiele- und Fotoanzahl sowie Dauer. Man darf gar nicht drüber nachdenken... (Klicken für größere Ansicht)

Zeitraum, Spiele- und Fotoanzahl sowie Dauer. Man darf gar nicht drüber nachdenken… (Klicken für größere Ansicht)

Ich habe bisher 126.750 Bilder geschossen. Diese Zahl ist hochgerechnet, da ich erst sein einigen Spielen die Anzahlzahl der tatsächlich gemachten Fotos dokumentiere. Grundlage ist: (Median der dokumentierten Werte) x (Spielanzahl).
Von den Fotos behalten habe ich letztendlich nur 46.474 oder 36,67 Prozent (immer noch rund 150 Gigabyte an Daten) und davon wiederum grob 22 Prozent für so annehmbar gefunden, dass ich sie nachbearbeitet habe. Der Median beträgt 297,5 behaltene bzw. 64,5 bearbeitete Bilder pro Spiel. Das produktivste Jahr wahr bisher 2012 mit 32 Spielen, der Monat mit den häufigsten Aufenthalten an der Sideline war der Juni (34). Der Sonntag als Fotografiertag ist dabei gegenüber dem Samstag leicht favorisiert.
Endspiele habe ich derer 7 miterleben dürfen: 4 mal den Ladies Bowl und je 1 mal den German und Junior Bowl sowie das EFAF-Cup-Finale.

DIE HAUPTDARSTELLER
Weiterhin sollte man Wert auf sympathische, heroische und lustige Hauptdarsteller legen, da ohne sie das Unterfangen Film gleich zum Scheitern verurteilt ist. Keine Darsteller = kein Film.

Den Hauptdarstellern rennt man oft hinterher: Städte, in denen ich bisher fotografiert habe.  Vor allem die DBL ist weit gestreut... Weiteste Reise: Wien (681km Route, 523km Luftlinie)

Den Hauptdarstellern rennt man oft hinterher: Städte, in denen ich bisher fotografiert habe. Vor allem die DBL ist weit gestreut… Weiteste Reise: Wien (681km Route, 523km Luftlinie)

Insgesamt sind mir während der 7 Jahre 79 Teams vor die Linse gelaufen. In dieser Zahl sind alle Erwachsenenteams einzeln und alle Jugendteams des Vereins zusammen als 1 gerechnet, wenn sie außer einem „Juniors“ oder „Jugend“ keinen eigenständigen Namen haben. Ohne die Zusammenfassung waren es nochmals 8 Teams mehr, von der GFL bis hinunter zur C-Jugend.
Als Einzelteam stehen mit 37 Spielen die Berlin Kobra Ladies ganz oben, was sich auch in der Ligastatistik (35 mal war es ein DBL-Spiel) widerspiegelt. Danach folgen die GFL(2)-Teams der Berlin Adler und der Berlin Rebels. 34 Teams habe ich bisher erst einmal fotografiert.
Insgesamt kamen 10 Mannschaften nicht aus Deutschland, sondern je eines aus Schweden, Dänemark, Russland, Italien, Ungarn, und der Schweiz sowie 4 aus Österreich.

DIE PRODUKTION
Handlung ausgearbeitet, Hauptdarsteller engagiert. Höchste Zeit, die Produktion zu planen. Ein Zeitplan und die Organisation stehen dabei im Mittelpunkt.

Wieviel Zeit ich allein während des Spiels mit Fotografieren verbracht habe, geht aus einem Mittelwert hervor. Die Berlin Adler hatten subjektiv empfunden die letzten Jahre einen guten Mix aus Pass- und Laufspiel, weshalb ihre Spiele einen repräsentativen Schnitt bezogen auf die Spieldauer abgeben. Der Median der Adler-Spiellänge in den letzten drei Jahren ergibt 150 Minuten (Daten von stats.gfl.info). Somit habe ich von den letzten 7 Jahren umgerechnet 15,6 Tage am Spielfeldrand verbracht. Zusammen mit hochgerechneter Sortier- und Bearbeitungszeit und (äußerst vorsichtig) geschätzter Fahrzeit sind das mehr als 33 Tage meines Lebens, die ich damit verbracht habe, ein paar Motive aus der Realität ins Internet zu bringen. Die Zeit, die ein aktiver Spieler mit 150 Spielen auf dem Buckel mit seinem Lieblingssport verbracht hat, dürfte mindestens genauso lang sein, da dabei weitaus häufiger Auswärtsfahrten anfallen. Von der zusätzlich anfallenden Trainingszeit mal ganz zu schweigen.

Nachdem ich vor einiger Zeit während eines Spiels meine Laufdistanz via GPS ermittelt habe, kann man sogar hochrechnen, wie groß die Strecke in etwa war, die ich zurückgelegt habe: Mit 364,5 Kilometern hätte ich während der 150 Spiele auch einmal auf der Autobahn von Berlin nach Kiel laufen oder nach Osnabrück, Nürnberg oder Oldenburg fliegen können. Ein Mensch mit Receiver-Statur läuft so eine Strecke in zwei Wochen ohne zu schwitzen, aber für einen ehemaligen Liner ist das meiner Meinung nach durchaus beachtlich. Zumal man die eingebauten Kniebeugen bei durchschnittlich jedem zweiten Snap beachten muss!

Zum Glück bin ich weder gen Norden gelaufen noch geflogen. So habe ich nämlich in den Stadien exakt 7148 Punkte gesehen. Nach einem frei geschätzten Abzug von 25 Prozent für Fieldgoals, Safetys und Extrapunkte wurde ich deshalb mit etwa 894 6-Punkt-Endzonenbesuchen unterhalten. Das ergibt einen Schnitt von 6 Touchdowns pro Spiel.

DIE MARKETINGABTEILUNG
Zum Schluss steht die Finanzierung zur Debatte. Zeit also, in die BWL-Stockwerke des Filmstudios zu wechseln. Die Krawattenhengste sind einerseits dafür verantwortlich, dass der Film überhaupt finanziell gestemmt werden kann. Viel wichtiger ist es jedoch für sie, mit trickreichen und emotionalen Werbekampagnen die Leute davon zu überzeugen, dass sie gar keine andere Wahl haben, als ihr hart Erspartes an der Kinokasse auszugeben.

Die beste Nachricht kommt deshalb jetzt: Mit mir an der Sideline hat das jeweilige Heimteam eine Chance von exakt 64,19 Prozent, das Spiel zu gewinnen. Eine Niederlage ist zu 34,46 Prozent wahrscheinlich, ein Unentschieden gab es in der gesamten Zeit erst zweimal. Es liegt also im Grunde allein an euch, ob ihr mit einer kleinen Flattr- oder Paypal-Spende meine Anwesenheit und damit eurem Team glorreiche Triumpfe erkauft!¹

Im Folgenden sind in die Rechnungen nur 148 Spiele einbezogen, da ein Spiel ein Scrimmage ohne Wertung und eine Fotogelegenheit ein ganzes U14-Turnier mit mehreren Spielen war.

Die Gewinnchancen und Bilanzen aus 148 Begegnungen.

Die Gewinnchancen und Bilanzen aus 148 Begegnungen.

Damit die Entscheidung leichter wird, habe ich zudem für jedes Team individuell aufgeschlüsselt, ob es eine positive, eine neutrale oder aber eine negative Siegesbilanz aufweist. Freuen können sich insgesamt 21 Teams, die neben wunderbaren Fotos auch gleich noch eine Win-Ratio von mehr als 50 Prozent abstauben. Dass diese Zahl gerade mal 26,5 Prozent entspricht und damit relativ klein ist, hat mich anfangs auch gewurmt. Schaut man sich jedoch an, dass ziemlich genau ein Drittel dieser negativen Ratios von Teams kommen, die ich bisher nur einmal gesehen habe und die bei einer Niederlage logischerweise dann 0 Prozent Gewinne haben, relativiert sich das etwas. Daraus lässt sich nämlich ableiten, dass Teams, die ich bereits mehrmals gesehen habe (und das sind natürlich hauptsächlich die Berliner Teams), grundsätzlich öfter gewinnen als verlieren. Die Wahrscheinlichkeit einer Auswärtsfahrt ist nicht allzu hoch (16 Auswärtsfahrten habe ich bisher mitgemacht), was auf der anderen Seite wieder bedeutet, dass die (einmal) anreisenden Teams eher verlieren als gewinnen. Und das wiederum wird durch die erwähnte Heimsiegwahrscheinlichkeit von gut zwei Dritteln gestützt. Voilà, die Logik der Zahlen.

Die erhöhte Win-Ratio bei oft besuchten Teams zeigt sich gerade in einer Übersicht der Berliner Teams plus Potsdam, die ich als kleinen Service erstellt habe. Damit könnt ihr faktenbasiert selbst entscheiden, ob sich eine abnormal hohe Spendensumme lohnt oder ob ihr eher etwas springen lasst, damit ich fernbleibe:

Übersicht über die Win-Ratio aller Berliner Teams, die bisher fotografiert wurden.  Sorry schonmal an die Jugend der Bears, der Thunderbirds und der Royals. ;-)

Übersicht über die Win-Ratio aller Berliner Teams, die bisher fotografiert wurden. Sorry schonmal an die Jugend der Bears, der Thunderbirds und der Royals. 😉

Im Übrigen habe ich keine Ahnung, was ein Milchmädchen sein soll… und wer jetzt kommt und meint, dass man ja auch die Spiele berücksichtigen müsse, bei denen ich nicht anwesend war, um überhaupt vielleicht irgendwie einen Kausalzusammenhang zwischen meiner Anwesenheit und einer erhöhten Siegwahrscheinlichkeit herstellen zu können, der hat das Funktionsprinzip von (Film-)Werbung noch nicht verstanden. 😉

DIE FORTSETZUNG
Jeder Regisseur träumt davon, dass sein erfolgreicher Film eine Fortsetzung erhält, in der alles noch besser, schöner und größer wird als es im ersten Teil sowieso schon war.

Das lässt sich ohne Weiteres auch auf mich übertragen. Ich hoffe, dass es schon bald die nächsten 150 Spiele zu erwähnen gibt, die mir dann genauso viel Spaß gemacht haben sollen, wie die bisherigen.
Platz genug für sie ist in meiner Excel-Tabelle jedenfalls noch.

Zahlen, Zahlen und kein Ende in Sicht.  (Klicken für größere Ansicht)

Zahlen, Zahlen und kein Ende in Sicht. (Klicken für größere Ansicht)

Die Datenbank könnt ihr euch einmal als .ODS (für OpenOffice / LibreOffice) und einmal als .XLS (für MS Excel) herunterladen. In der Übersicht in den blauen Feldern kann man sich die Daten von bis zu zwei Teams anzeigen lassen.

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¹ Eine Spende oder der Besuch meiner Amazon-Wunschliste sind natürlich gerne gesehen, damit Hostingkosten oder mal eine neue Speicherkarte zumindest teil-refinanziert werden können. Eine Garantie, dass ich bei irgendeinem Spiel anwesend bin, kann ich aber nicht geben.

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