Bild zum Wochenende (5): Emotionen

Guckt man sich im Sportteil von Zeitungen um, dann wird man sehen, dass die Bilder zu den Artikeln oftmals nicht das eigentliche Spielgeschehen zeigen. Viel öfter sieht man die Freude der Siegermannschaft, die Enttäuschung des Verlierers oder den Wutausbruch des Trainers. Nicht nur lassen sich emotionale Inhalte besser verkaufen. Vielmehr werden mit jedem Sport Emotionen sowohl im Bezug auf das Publikum als auch mit den Spielern verbunden. Emotionen sind ein fester Bestandteil insbesondere von Mannschaftssportarten.

Auch Football definiert sich zu einem großen Teil über Emotionen. Die kommen allerdings nur zwischen den Spielzügen zum Vorschein, währenddessen haben die Spieler naturgemäß anderes zu tun, als zu grinsen. Den weitaus größten Teil meiner Footballfotos nimmt das Spielgeschehen ein. Umso mehr freut man sich, wenn man dann doch ein Foto schießt, auf dem Emotionen eindeutig gezeigt werden.
Das ist allerdings nicht immer so einfach. Zum einen gibt es in Footballdeutschland nicht so viele SpielerInnen, die ihre sicherlich vorhandenen Emotionen während eines Spiels durch etwas ausdrücken, was man in einem Bild festhalten könnte. Zum anderen braucht man das Glück, die Emotion auch einfangen zu können. Mir ist bei jedem Bild wichtig, dass die Gesichter der Personen zu erkennen sind. Durch den Helm, den Kinnriemen und das Facemask gestaltet es sich aber oftmals sehr schwierig, die Augen und den Mund zu sehen, an denen man man die Emotion ablesen kann. Letztere können dann durch den Zahnschutz auch nur bedingt gezeigt werden. Dazu kommt, dass die Spieler entweder mit ihren Mitspielern auf dem Feld oder aber in bzw. aus der Teamzone heraus interagieren und man deshalb entweder nahe bei der Teamzone oder aber auf der gegenüberliegenden Feldseite stehen muss, um eine von beiden Positionen frontal zu sehen.

Letzteres war beim heutigen (ersten) BzW nicht der Fall. Ich stand zwischen den Torstangen hinter der Endzone und schaute Richtung Rebels-Teamzone. Ich bin mir nicht sicher was genau auf dem Feld loswar, wahrscheinlich war es eine Interception oder der gestoppte 4. Versuch. Die Freude darüber war in der Teamzone jedenfalls nicht zu übersehen. Insbesondere ein Spieler ließ seinen Emotionen freien Lauf und ich war geistesgegenwärtig genug, um schnell auf den Auslöser zu drücken.

Rebels DE Tom Balkow und die gesamte Teamzone haben Spaß an dem, was ihr Team auf dem Rasen veranstaltet. | 1/1250 sec | f3.2 | 200mm | ISO 400 (Klicken für größere Ansicht)

Rebels DE Tom Balkow und die gesamte Teamzone haben Spaß an dem, was ihr Team auf dem Rasen veranstaltet. | 1/1250 sec | f3.2 | 200mm | ISO 400 (Klicken für größere Ansicht)

Positiv ist, dass auch alle Personen um das Hauptmotiv herum Emotionen zeigen. Bilder, in denen ein Spieler die Arme hochstreckt, alle anderen aber mehr oder weniger gelangweilt dreinschauen, können die Atmosphäre schon nicht rüberbringen. Hier hatte ich das Glück, dass Coach und Mitspieler sich mindestens ebenso über die Spielentwicklung gefreut haben und ich durch Beschnitt die restlichen Personen ausblenden konnte. Das Bild würde nicht so gut wirken, hätte der Spieler seinen Helm aufgehabt, denn dann wäre garantiert der Kinnriemen vor den Mund gerutscht.

Neben einer besseren technischen Umsetzung (eine bessere Freistellung des Spielers und ein unschärferer Hintergrund, etwas mehr Kontrast) hätte ich mir einerseits mehr Brennweite gewünscht, denn je näher man an der Person dran ist, desto besser können Details wie etwa der Blick eingefangen werden. Und auch ein besser Standpunkt wäre schöner gewesen. Durch meinen Standpunkt schaute natürlich niemand zu mir, sondern Richtung Feldmitte. Man erkennt zwar trotzdem, dass sich alle freuen, deutlich stärker wäre das Bild jedoch gewesen, wenn ich frontal in ihrer Blickrichtung gestanden wäre.

Das Glück hatte ich dafür beim zweiten Bild. Hier stand ich hinter der anderen Teamzone, die Rebels waren im Angriff und kurz vor einem Touchdown. Nachdem ihr Spiel an diesem Tag extrem passlastig war, sie keine 10 yards vor der Endzone standen und es somit allein vom Glück abhängt, ob man in der kurzen Zeit auf den richtigen Receiver fokussiert, habe ich mich entschieden, die Reaktionen der Teamzone festzuhalten. Die kam nach dem Touchdown auch promt.

Offensive Coordinator Nico Friske scheint zufrieden mit seinen Spielern zu sein. | 1/ 1600 sec | 200m | f3.2 | ISO 320 (Klicken für größere Ansicht)

Offensive Coordinator Nico Friske scheint zufrieden mit seinen Spielern zu sein. | 1/ 1600 sec | 200m | f3.2 | ISO 320 (Klicken für größere Ansicht)

Der Coach zeigte und lief auf seinen Spieler zu, der sich 2 Meter neben mir befand, und freute sich ein Bein aus. Auch die Spieler im Hintergrund applaudierten. Durch den Standpunkt wird der Betrachter vom Coach quasi direkt angesprochen, wodurch das Bild dessen Emotionen überträgt. Ich weiß gar nicht, ob es besser gewesen wäre, wenn der Spieler, den der Coach tatsächlich angesprochen hat, noch zu sehen wäre.

Wo Freude auf der einen Seite ist, da existieren negative Emotionen auf der anderen. Es kostet oftmals etwas Überwindung, jemanden in solch einer Situation zu fotografieren, aber letztendlich glaube ich nicht, dass selbst ein Tränenbild jemanden in seiner Ehre verletzt, schon gar nicht beim Sport.
Ein Taschentuch brauchte der Wernigeroder zwar nicht, aber sein Frust ist relativ klar erkennbar. Kurz zuvor hatten sie durch ein big play und viele verpasste Tackles einen Touchdown kassiert.

Tigers DB Tino Euler hadert mit dem vorausgegangenen Spielzug. | 1/ 1600 sec | 200mm | f3.2 | ISO 400 (Klicken für größere Ansicht)

Tigers DB Tino Euler hadert mit dem vorausgegangenen Spielzug. | 1/ 1600 sec | 200mm | f3.2 | ISO 400 (Klicken für größere Ansicht)

Das Bild ist zwar durch die Körpersprache aussagekräftig, allerdings fehlt es hier für jemanden, der das Spiel nicht gesehen hat oder die Situation nicht kennt, am Bezug. Es gibt keinen feiernden Gegner im Hintergrund, keinen Gegenspieler mit Ball oder ähnliches, woraus man schließen kann, was ihn frustriert. Umso ärgerlicher ist, dass es den feiernden Gegner im Bild davor zwar gibt, die Kamera jedoch dermaßen fehlfokussiert hat, dass das Bild unbrauchbar ist.

Einen bunten Mix aus Emotionsbildern der letzten 6 Jahre gibt es noch obendrauf:

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