Bild zum Wochenende (4): der Passfang

Der Pass. Für die Offense der effizienteste Weg, um yards zu machen. Für die Zuschauer schön anzusehen. Und für den Fotografen gleichzeitig Glück und purer Stress.

Man weiß schon nicht mit Sicherheit, ob überhaupt ein Pass beim folgenden Spielzug kommt. Hat man dann an der Offense Line und – wenn diese klein genug ist – an der Bewegung von Quarterback und Receiver abgelesen, dass es vermutlich ein Pass wird, muss man sich in den meisten Fällen zwischen 2 und 4 Anspielstationen als Motiv entscheiden und hoffen, dass der Quarterback sich ebenso entscheiden wird. Da hilft Vorbereitung und das Kennen des Spielsystems und der Key Player eines Teams nur bedingt. Wenn man dann noch an der richtigen Feldposition steht, der Receiver richtig läuft, der Ball richtig geworfen wird, keine anderen Spieler und Schiedsrichter im Weg stehen, man den richtigen Bildausschnitt findet und die Kamera ordentlich scharf stellt, dann hat man sein perfektes Pass-Bild auf der Speicherkarte.

Beinahe wäre solch ein lucky shot auch an diesem Wochenende herausgesprungen. Beim Big6-Spiel der Adler gegen die Calanda Broncos waren die Adler ca. 40 yards von der Endzone entfernt, hinter der ich auf der linken Seite stand. Die Bewegung der Offense Line verriet einen Pass, den Quarterback konnte ich hinter dem Line-Getümmel aber nicht sehen. Irgendwann kam der Ball in die Mitte der Endzone geflogen, wo sich ein Receiver freigelaufen hatte. Da der Pass etwas unpräzise war, musste er seine Route abbrechen und sich in meine Richtung drehen. Kurz bevor der Ball da war, ging er schon aufs Knie und fing den Pass so schließlich zum Touchdown.

Berlin Adler WR #2 Daniel Voehringer fängt den Pass zum Touchdown.

Berlin Adler WR #2 Daniel Voehringer fängt den Pass zum Touchdown. (Klicken für größere Ansicht)

Ab dem Moment, in dem ich den Ball sah, hatte ich 2 Sekunden Zeit, um den Receiver zu sehen, die Kamera auszurichten und zu hoffen, dass der Fokus auf dem Spieler liegt. Ab da kann man nur noch auf den Auslöser drücken und hoffen, dass wenigstens eins von den 15 gemachten Bildern halbwegs ordentlich ist.
Zuhause angekommen war ich doch recht glücklich über die Ausbeute. Der Spieler ist relativ scharf abgebildet. Dadurch, dass er relativ früh auf‘s Knie gegangen ist und etwas abfedert, sieht es auf einem Bild so aus, als ob er sich komplett im Sprung befinden würde, was im Grunde der heilige Gral unter den Footballpassfangbildern ist. Auch wenn er hier nur ein paar Zentimeter über dem Boden schwebt, weil er sich mehr hat fallen lassen als er gesprungen ist, so kann man die Bewegung in der Aktion gut nachvollziehen.
Hinzu kommt, dass ich relativ nah am Spieler war, sodass der Hintergrund schon verschwommen ist. Dadurch, dass dort noch ein Gegenspieler angedeutet ist, sieht man, dass es eine Szene aus dem Spiel und kein Training ist.

Der richtige Standpunkt, kein Schiedsrichter im Weg, der Spieler nicht abgeschnitten oder verschwommen, sondern komplett in der Luft. Also eigentlich perfekt…

… bis auf den Ball. Der ist zwar im Bild, verdeckt aber das komplette Gesicht. Auch wenn es allein vom Zufall abhängt, ob die Serienbildfunktion der Kamera (in diesem Fall kann ich bis zu 8 Bilder in der Sekunde schießen) zum richtigen Zeitpunkt zuschlägt, so ist das für mich doch ziemlich ärgerlich. 1/1000stel Sekunde früher und der Ball wäre wohl links vom Kopf zu sehen gewesen. Auf der anderen Seite besteht natürlich die Gefahr, dass der Ball in dieser 1/1000stel Sekunde wiederum zu weit entfernt gewesen wäre, sodass nach dem Beschnitt des Bildes viel leerer Raum zwischen Ball und Spieler zu sehen gewesen wäre.

Festzuhalten bleibt, dass der Passfang die schönsten Spielszenenbilder liefern kann, dabei aber unglaublich viel vom Zufall abhängt. Vor nichtmal zwei Wochen habe ich beim Spiel der Berlin Kobras Juniors ein ganz ähnliches Glück gehabt. Bei diesem Bild haben alle Bildelemente gestimmt, nur ist der Autofokus an den Füßen des Spielers hängengeblieben. Das war mindestens ebenso nervig wie die um 1/1000stel Sekunden verpasste Chance an diesem Wochenende.

Selbes Glück, anderer Makel: Der Autofokus ist hier an den Füßen hängen geblieben.

Selbes Glück, anderer Makel: Der Autofokus ist hier an den Füßen hängen geblieben. (Klicken für größere Ansicht)

Ich hoffe also, dass ich für die nächste Zeit mein Glückskonto in dieser Hinsicht nicht allzu sehr strapaziert habe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.